25.10.2018 - Call for Papers / Participation
Fachinformationsdienst Darstellende Kunst

CALL FOR PAPERS: Tagung "Don't Worry, Be Happy!" | Hans-Böckler-Stiftung/Universität zu Köln | Deadline: 07.01.2019

- ENGLISH CALL LINKED BELOW - Don’t Worry, Be happy! Affekt und Emotionen im Kontext neoliberaler Subjektivierungsprozesse 15. – 17. April 2019 an der Universität zu Köln Die Beschäftigung mit Gefühlen, Emotionen und Affekten erfährt seit den 2000er Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit sowohl im akademischen Feld als auch in der breiten Öf-fentlichkeit. Vielfach werden Sie zur Beschreibung aktueller soziopolitischer Verhältnisse herangezogen (u. a. Massumi 2010, Bude 2014, Rancière 2016), oder im Zusammenhang mit Populärkultur, Werbung und Konsum thematisiert (Illouz 2018). Dabei geraten auch Subjektivierungspraktiken in den Fokus, die beispielsweise auf das Management der ei-genen Gefühle abzielen (Hochschild 2012 [1983]) und es mit Selbstentfaltung sowie un-ternehmerischem Handeln verschränken (Bröckling 2007). Wie ist das Wuchern dieser Diskurse um Gefühle, Emotionen und Affekte zu erklären? Ist das Sprechen darüber wirklich neu oder hat es sich lediglich verändert? Schließlich de-monstrieren bereits Arbeiten von Max Weber oder Norbert Elias die gesellschaftskonsti-tuierende Funktion von Emotionen und ihrer Regulation, während sich seit Aristoteles zahlreiche Philosoph*innen mit Affekten und Leidenschaften beschäftigen um Fragen der Ethik, Rhetorik oder des Theaters zu verhandeln (vgl. Landweer 2009). Jüngere Forschun-gen rücken hingegen zum Beispiel affektive Arbeit (Penz/Sauer 2016), Geschlechterver-hältnisse (Bargetz/Sauer 2010) oder den Umgang mit Diversität (Ahmed 2014) ins Zent-rum der Aufmerksamkeit. Bezeichnend für das heutige Sprechen über Emotionen und Af-fekte ist das Ausmaß ihrer Kapitalisierung (Illouz 2007; Han 2014), wodurch das Innen-leben von Subjekten kommodifiziert und zum Gegenstand kontinuierlicher Einwirkungen wird. Hinzukommt die Möglichkeit der Nutzbarmachung, Übertragung und Assoziation von Gefühlen durch neue Technologien, die sich nicht zuletzt auch den Forschungserkenntnissen neurophysiologischer Untersuchungen (von Scheve 2009) verdankt. Die Tagung knüpft an diese reichhaltige Geschichte der Emotions- und Affektforschung an. Zugleich will sie über ontologische Fixierungsversuche hinausgehen, wie sie viele Fachdebatten prägen, und stellt dagegen die sozialen Funktionsweisen von Gefühlen in den Vordergrund: Wie leiten Emotionen und Affekte das Handeln spät- oder postmoder-ner Subjekte an und wie weisen sie Identität(en) und Positionen in sozialen Räumen zu? In Anbetracht dessen, dass die von Subjekten erlebten Gefühle kulturell und historisch variabel sind: welche Schlüsse lassen sich auf soziale Normen und deren Internalisierung ziehen (Frevert 2014)? Auf welche Weise wird Emotionsarbeit vor allem von als different markierten Individuen eingefordert (Ahmed 2014) und wie werden über Gefühlsnormen auch soziale Kämpfe um Ressourcen zwischen konkurrierenden Gruppen ausgetragen (Hochschild 2016)? Hierfür sollen die diversen Mechanismen, Varianten und Diskurse affekt- und emotions-bezogener Subjektkonstitution, wie sie im gegenwärtigen ‚neoliberalen Zeitalter‘ (Foucault, u.a.) zu finden sind, leitend sein: Wie verbinden sich bspw. Formen der Kulti-vierung und/oder Einhegung von Gefühlen und Stimmungen mit ideellen Leitbildern, wie dem eines unternehmerischen Selbst (Bröckling 2007)? Und welche Konsequenzen hat der daraus resultierende Umgang mit Emotionen im Sinne eines emotionalen (Illouz 2007) oder affektiven (Penz/Sauer 2016) Kapitals in Bezug auf zwischenmenschliche Be-ziehungen? In welchen Diskursen (der Bildung, Medien, u. a.) sind solche Mechanismen der Subjektkonstitution eingebunden? Und schließlich: Wie lassen sich Affekte, Gefühle und Emotionen in Verbindung mit Praktiken des Widerstands oder der Kritik gegen eine Neoliberalisierung denken? MÖGLICHE THEMEN Wir wollen im Rahmen dieser Tagung vor allem nach den sozialen Funktionsweisen fra-gen, welche Emotionen und Affekte in neoliberalen Zeiten erfüllen. Hieraus ergeben sich folgende, zentrale Felder, die theoriegeleitet wie auch anhand exemplarischer Fallstu-dien einzelner Gefühle zum Thema werden können: GEFÜHLTE MACHT: Welche Akteure, Institutionen und Praktiken produzieren wel-che emotionalen/ affektiven Effekte? Wie verbinden sich Emotionen und Affekte mit Weisen des Regierens (z.B. über die Kultivierung von Emotionalität oder Ra-tionalität) und wie mit politischen Umbrüchen (z.B. im Aufstieg von Populismen)? ARBEIT AN UND MIT AFFEKTEN: Wie funktionieren Techniken der Gefühls- und Af-fektregulation (z. B. im Kontext von Arbeit)? Welchen Einfluss hat die Gestaltung von Umgebungen auf das (Un)Wohlbefinden von Subjekten? Welche neuen Berufsfelder bringt das Management von Gefühlen hervor? MEDIALITÄT VON EMOTIONEN: Wie werden Emotionen soziokulturell und medial benannt und vermittelt? Welche Rolle spielen dabei die unterschiedlichen Me-dien (z.B. Videospiele, Bücher, soziale Netzwerke, Smartphones) und deren tech-nologische Fortentwicklung? NORMATIVITÄT UND FÜHLEN: Welche emotionalen Stile (Illouz 2007) werden im emotionalen Kapitalismus als wertvoll, richtig und gut bewertet; welche gelten als legitime oder gar vernünftige Weisen des Fühlens in unterschiedlichen sozialen und klassenspezifischen Kontexten? KRITIK MIT GEFÜHL: Welche Formen des Widerstands gegen herrschaftliche Nar-rative des Fühlens sind denkbar? Wie verbinden sich Kritik und Emotionen miteinander? Gibt es gar Räume des abweichenden Fühlens, Heterotopien im Foucaultschen Sinne? Informationen zur Teilnahme Die Wissenschaftliche Tagung der Promovierenden 2019 dient in erster Linie als Platt-form für Promovierende aller Begabtenförderwerke und Nachwuchswissenschaftler*in-nen aus den Bereichen der Geistes-, Kultur-, Rechts- und Sozialwissenschaften, um mit Expert*innen zu den o. g. Phänomenen (auch in einem interkulturellen bzw. internatio-nalen Rahmen) zu diskutieren. Wir laden die angesprochenen Personengruppen aus dem In- und Ausland herzlich dazu ein, sich mit einem Beitrag zu beteiligen. Wir bitten um Zusendung eines Abstracts (ma-ximal 500 Wörter) und eines kurzen wissenschaftlichen Lebenslaufes bis zum 07.01.2019 an WT2019@boeckler.de. Der Abstract sollte folgende Aspekte umfassen: – Titel des Beitrages und wissenschaftliche Bezugsdisziplin(en) – Erkenntnisziel und Fragestellung – Gesellschaftspolitische Relevanz – Kontaktdaten – Kurzer Lebenslauf Eine Rückantwort bezüglich der eingegangenen Abstracts erfolgt bis zum 01.02.2019. Eine wissenschaftliche Publikation ausgewählter Tagungsbeiträge wird angestrebt. Ein Vortrag / Abstract ist nicht Voraussetzung für eine Teilnahme an der Tagung. Erwünscht ist allerdings ein Motivationsschreiben, aus dem Teilnahmeinteresse und Fachexpertise hervorgehen. Die Hans-Böckler-Stiftung übernimmt die Reise-, Verpflegungs- und Über-nachtungskosten. Eine Tagungsgebühr fällt nicht an. Die Wissenschaftliche Tagung wird organisiert von: – Christofer Schmidt, Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung – Frederik Metje, Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung – Yvonne Wechuli, Promotionsstipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung – Dr. Jens Becker, Leiter des Promotionsreferats der Hans-Böckler-Stiftung Weitere Informationen und die englische Version finden Sie weiter unten verlinkt.

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