06.03.2020 - Call for Papers / Participation
Gesellschaft fuer Theaterwissenschaft

CALL FOR PAPERS: Symposium "Act – Resistance! Gender, Diversity and the Performing Arts" | Hochschule für Musik und Theater Hamburg | 7.-9.5.2020 | Deadline: 3.4.2020

Wer mit der eigenen Arbeit dort ansetzt, wo institutionelle Strukturen festgefahren oder verstopft zu sein scheinen, kann mit Sara Ahmed als «institutional plumber» bezeichnet werden (Ahmed 2016). Die Metapher weist u.a. auf das praktische Geschick und die Ausdauer hin, die nötig sind, um diversitätssensible Institutionen immer wieder neu einzufordern. Sich um Vielfalt und die Inklusion aller zu bemühen, ist in diesem Sinne nicht nur eine theoretische Aufgabe, sondern ein mitunter strapaziöses Handwerk, bei dem es auch mal ‹dreckig› zugehen kann. Reflexionsfiguren wie Ahmeds ‹institutionelle Klempner*innen› im Zwischenbereich von Praxis und Theorie liefern für künstlerisch-wissenschaftliche Forschungsanliegen im Umgang mit Widerstand und widerständigen Praktiken hilfreiche Impulse. Dass Anliegen rund um Gender, Diversität und Inklusion auch im Theater des 21. Jahrhunderts von Egalität noch weit entfernt sind, machen Initiativen wie das 2016 gegründete ‹Ensemble Netzwerk› sichtbar, das strukturelle Fragen zu Arbeitsbedingungen an (Stadt-)Theatern, an Opernhäusern und in der freien Szene mit neuer Dringlichkeit stellt. Bestehende Dilemmata verfestigter Machtasymmetrien werden darüber hinaus in theaterwissenschaftlichen bzw. -soziologischen Studien bekräftigt (Lehmann et al. 2019, Schmidt 2019) und prägen zahlreiche feuilletonistische Debatten mit. Auch ein Blick auf die diesjährige Auswahl des Berliner Theatertreffens verdeutlicht die Relevanz der Thematik: Erstmals wurde eine Frauenquote von 50 Prozent für die einzuladenden Regisseur*innen der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen eingeführt. Dessen ungeachtet wird Schlagwörtern wie Gender und Diversität im medialen Diskurs immer wieder der Status von ‹Buzzwords› zugeschrieben, deren (vermeintlich) inflationäre Nutzung und ubiquitäres Vorkommen ihr kritisches Potential abzuschwächen drohen. Mit dem Ziel, einem Wuchern der Diskurse und einer (Re-)Produktion von theoretischen Gemeinplätzen entgegenzuwirken, soll beim Symposium unter dem Motto Act – Resistance! nach konkreten künstlerischen Strategien im Umgang mit Faktoren der Ungleichmachung gefragt werden. Im Fokus steht somit eine künstlerisch-wissenschaftliche Befragung von widerständigen Praktiken in den szenischen Künsten der Gegenwart. Widerständige Praktiken und «Gegen-Verhalten» (Bröckling 2017) verweisen auf ein komplexes Wechselspiel von Subversion und Affirmation. Sie können sowohl Normbruch, Überschreitung und Verweigerung implizieren als auch den Modus des Nonkonformismus ins Gegenteil verkehren und mit hyperaffirmativen, d.h. überbejahenden Strategien agieren. Widerständige Praktiken können die großen Gesten einfordern oder sich einem marktschreierischen Duktus gänzlich entziehen und in kleinteiligen, fast unsichtbaren Mikropraktiken wirksam werden. Letztlich können sie immer auch den Strukturen eines kybernetischen Kapitalismus anheim fallen, der Widerständigkeit absorbiert und ihre konkreten Ausgestaltungen als Innovationskompass für andere Zwecke nutzt (ebd.). Die zentralen Fragen und Anliegen des Symposiums lassen sich in drei Bereiche aufteilen: 1) Was tun widerständige Praktiken? Welche Formen von Kritik und Gegen-Verhalten können wirkkräftig sein? Worin liegen dabei die Besonderheiten theatraler Praktiken? 2) Wie lassen sich Mechanismen von «non-performativity» (Ahmed 2006) beschreiben und/oder aufbrechen? Was sind Barrieren, die zu eingeschränkter Agency beteiligter Akteur*innen führen können? 3) Wie können diesbezüglich Relationen von Theorie und Praxis produktiv gemacht, gedacht und verhandelt werden? Mögliche Themen (mit besonderem Fokus auf die szenischen Künste: Musiktheater, Sprechtheater, Tanz, Performance oder Performance-Installationen etc.): - widerständige Kunstformate oder Genres: z.B. Appropriation Art, Interventionskunst - spezifische widerständige Praktiken, künstlerische Strategien oder ästhetische Verfahrensweisen: z.B. Mikropraktiken, hyperaffirmative Kritik, (ästhetische) Verweigerung, Erzeugung von Unsicherheiten, kalkulierte Shit- und Candystorms, Formen ‹softer› Widerständigkeit, Techniken der Beeinflussung - Kunst und/als Aktivismus - Vulnerabilität und Empowerment - kollektive Identitäten und ihre Kritik - Beschwerdekulturen und «non-performativity» - Konzepte von «willfulness», «(feminist) killjoys» oder «institutional plumbers» (Sara Ahmed) - Körperdiskurse: (Un-)Sichtbarkeiten, (Nicht-)Erzählbarkeiten, New Materialism(s) - (Un-)Doing Gender: Geschlecht auf und jenseits der Bühne - (Un-)Doing Intersectionality: Intersektionalitätsforschung im Spiegel der szenischen Künste - Wie mit (eigenen) blinden Flecken umgehen? - Gender und Diversität als ‹Buzzwords›? - Ermöglichung von Teilhabe und Öffnung der Räume: Safe Spaces, Open Spaces Es werden Abstracts (max. 300 Wörter) für 20-minütige Vorträge oder künstlerisch-wissenschaftliche Formate (z.B. Lecture Performances, Interventionen) erbeten. Vortragssprachen sind Deutsch und Englisch. Einsendungen inkl. Kurzbiographie können bis zum 3. April 2020 an katharina.alsen@hfmt-hamburg.de gerichtet werden. Die Rückmeldung erfolgt bis zum 7. April 2020. Eine Veröffentlichung ausgewählter Beiträge wird angestrebt. Konzeption & Organisation: Katharina Alsen, Theaterakademie Hamburg Gefördert von der Thörl Stiftung


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