07.07.2019 - Call for Papers / Participation
Gesellschaft fuer Theaterwissenschaft

CALL FOR PAPERS: Krise im Drama der Gegenwart | Tagung in Paderborn in 2020 | Deadline: 15.07.2019

Call for Papers zur Tagung: „Krise im Drama der Gegenwart“ (02.-04.04.2020 an der Universität Paderborn, Organisation: Dr. Marta Famula und Verena Witschel) „Theater ist Krise“ sagte Heiner Müller 1995 einmal in einem Interview und stellte so die Ge-fährdung bestehender Ordnungen als Ursprung des kritischen Potentials von Theater heraus. Dabei steht Krise sowohl für das Erkennen von Konfliktpotential als auch für die daraus erfolgende Notwendigkeit einer Veränderung. Seit der Antike ist mit der Krise (κρίσις, abgeleitet von κρίνω, scheiden, auswählen, beurteilen, entscheiden) ein Entscheidungsmoment gemeint, das einen Konflikt beendet und so einen Einschnitt in bisherige, als defizitär erkannte Kontinuitäten markiert, wodurch ihr eine grundlegend transformierende Funktion zukommt. Sie wird als ein Phänomen verstehbar, das sich selbst aus dem „Normalismus“ (Koschorke) hervorbringt, indem sie beschrieben, zum Ausdruck gebracht und heraufbeschworen wird und dabei bestehende Machtverhältnisse neu konstituiert. Gleich mehrfach kommt die so verstandene Krise im Drama zum Tragen: In der aristotelischen Dramenpoetik gibt der Held auf dem Höhepunkt des dramatischen Konflikts durch eine Entscheidung seine Handlungsfreiheit und damit andere mögliche Handlungsoptionen auf und leitet so den Umschwung der Handlung ein (Peripetie), um fortan determiniert und unausweichlich auf die Katastrophe (oder auf sein Glück) zuzutreiben. Im Laufe der langen Dramengeschichte hat dieser dramatische Baustein unterschiedliche Formen angenommen und spiegelte dabei stets auch krisenhaftes Veränderungspotential als solches wider. Unter diesen Vorzeichen der Dramenpoetik wird Theater zu einem Ort, an dem Krise nicht nur verhandelt, sondern auch erlebt werden kann (Warstat). Zugleich spürt das Theater Krisen im eigenen Wesen auf, wie sie Peter Szondi in seiner Darstellung der Krise des Dramas in der Moderne zur Debatte gestellt hat, und begreift sie als Motor für Innovation und Veränderung innerhalb der Dramen- und Inszenierungsformen, die eine Diskussion um Lösungsansätze erst möglich machen. Die geplante Tagung möchte nach diesen, sich gegenseitig bedingenden Akzenten der Krise im Drama des 21. Jahrhunderts fragen und damit 1. das Hervorbringen von Krisen durch Theater, 2. das Theater als Ort, Krisen zu erleben, 3. das Potential, durch Theater Krisen zu überwinden sowie 4. die produktive Auseinandersetzung mit Krisen im eigenen Wesen zum Gegenstand machen. Folgende Fragestellungen wären denkbar: - Krise als Gegenstand dramatischer Texte seit 2000 - Theater und Krise als gesellschaftlich aufgeladener ‚Mode-Begriff‘? - Gegenwartstheater als Krisenseismograph? - Krise und politische Positionierung: Grenzen und Möglichkeiten künstlerischer Praxen im Theaterbetrieb - Gesellschaftliche Krise und Inszenierungspraktiken - Krise in Abgrenzung zu Konflikt, Störung und Kritik - Krise und Überwindung, Krise als Chance und Veränderungspotential - Krise in verwandten Künsten: Film, Videokunst, Performance etc. - Krisen in postmodernen Formen des Dramatischen - Neue Inszenierungsformen als Indikatoren der Krise des Theaters. Darüber hinaus sind natürlich weitere Themenstellungen erwünscht und willkommen. Vorschläge für Präsentationen (30 Minuten) im Umfang von max. einer Seite (ca. 1800 Zeichen) mit kurzen Angaben zur Person werden bis zum 15.07.2019 erbeten an: Dr. Marta Famula (marta.famula@uni-paderborn.de) und Verena Witschel (verena.witschel@uni-paderborn.de). Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist geplant.


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