25.07.2018 - Call for Papers / Participation
Gesellschaft fuer Theaterwissenschaft

CALL FOR PAPERS: Theater* in queerem Alltag und Aktivismus der 1970er und 1980er Jahre | Tagung Berlin | Deadline: 15.09.2018

Blickt man zurück auf Performance-, Tanz- und Theaterarbeiten der 1970er und 1980er Jahre, überrascht wie zentral dort das Spiel mit Geschlechterrollen, Fragen von Geschlecht und sexueller Identität sind – ohne dass dies sich in der theater­wissen­schaftlichen Literatur dieser Zeit wiederspiegelt. Zudem gibt es eine vielfältige queere Theaterkultur, die in der hegemonialen (Theater‑)Geschichts­schreibung und damit auch in der kulturellen Erinnerung bisher kaum auftaucht, ja weitestgehend unbekannt ist. Queerness nimmt bis heute in der (deutschsprachigen) Theaterwissenschaft nur eine marginale Rolle ein, es fehlt sowohl an theoretischer Reflexion wie auch an historischen Beispielen und Forschungen. Denkt man über queere Performance – und Theorie – nach, blickt man meist in die USA. Doch welche spezifischen, lokalen lesbisch-schwul-trans* Theater-Geschichten gibt es in Ost- und Westdeutschland der 1970er und 1980er Jahre, in der Zeit des Kalten Krieges, des Konservatismus, aber auch der zunehmenden politischen Annäherungen und Liberalisierungen? Die Tagung setzt auf eine weiten Theaterbegriff, der sowohl unterschiedliche Genres (Theater, Tanz, Performance) wie auch das Gebiet des angewandten Theaters und Aufführungen in Sub- und Populärkultur umfasst. Im Fokus sollen dabei besonders Aufführungen an der Schnittstelle von Alltag und Aktivismus stehen, an denen sich die unterschiedlichen Funktionen von Theater* in der queeren Kultur der 1970er und 1980er Jahre aufzeigen lassen: Gruppen wie Hibaré, Brühwarm, die Witwen oder Unterste Stufe, Figuren wie Romy Haag, Salomé, Hella von Sinnen, Georgette Dee oder Maike Nowak, Theater im Rahmen von Lesben-Pfingsttreffen, Frauen-Rock-Feten, Tuntenbällen und schwullesbischen Kulturfestivals, an Orten wie Pelze multimedia, Tuc Tuc, Schwuz und dem Sonntagsclub, in Kirchengruppen, in Bars, in Wohnungen, auf der Straße etc. Die Tagung möchte einen ersten Überblick über queere Theaterkultur in den 1970er und 1980er Jahren aus deutscher Perspektive geben. Dabei wird bewusst darauf Wert gelegt, Performance-Geschichten aus DDR und BRD gleichermaßen in den Blick zu nehmen und damit nicht den in jüngerer Zeit vielfach zu Recht kritisierten Forschungsgraben zwischen Ost und West weiter zu vertiefen. Gleichzeitig soll dabei auch gefragt werden, welche theoretischen Impulse dieses bisher wenig bis gar nicht bekannte historische Material für zeitgenössische Forschung bietet. Der Begriff „queer“ wird im Zusammenhang der Tagung in einer recht engen Verwendung verstanden als Synonym für homo*trans*inter*sexuelle und andersgeschlechtliche Existenzweisen, die von Normen der Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit abweichen. Dabei soll ebenfalls kritisch nach der (historiografischen) Tragweite des Begriffs „queer“, der in den 1970er und 1980er Jahren ja so gar keine Verwendung fand, gefragt werden. Mögliche Fragen, die mit der Analyse von queeren Performer*innen, FrauenLesbenSchwulen* Theaterkollektiven u.a. und ihren Aktionen, Aufführungen und Shows in den 1970er und 1980er Jahren verbunden werden können, sind: - An welchen Orten, Plätzen, Räumen fanden queere Performances statt? - Welche Themen wurden mit welchen ästhetischen Mitteln und Stilen (Drag, Camp, Parodie, Groteske etc.) aufgeführt? - Wie verstanden und inszenierten sich die Performer*innen selbst (als lesbisch*, schwul*, homo* o.a.) und welche Funktionen und Bedeutungen verbanden sie mit ihren theatralen Aktionen, Shows und Aufführungen, ohne pauschal bloß emanzipatorische oder subversive Zwecke zu unterstellen? - Welche Rezeption haben sie erfahren? Welchen möglichen Repressionen und Anfeindungen waren sie ausgesetzt? - Welche Funktionen übernahmen Theater*aktionen im Kontext homosexueller oder feministischer Bewegungen? - Welche Unterschiede, welche Parallelen gibt es zu anderen Kunstformen wie Film und Literatur? - Inwiefern lassen sich internationale Verbindungen finden, wo liegen Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede zwischen Ost und West, zwischen Stadt und Land, zwischen Wohnung, Club und Straße? Der Call for Papers richtet sich explizit an Nachwuchswissenschaftler*innen aus der Theater-, Tanz- und Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte, Geschichte, Queer und Gender Studies. Beitragsvorschläge in Form eines kurzen Abstracts im Umfang von ca. 2.500 Zeichen (inkl. Leerzeichen) sowie einer Kurzvita (ca. 1.000 Zeichen) senden Sie bitte bis zum 15. September 2018 an: j.schroedl@fu-berlin.de wittrock@uni-hildesheim.de Die Benachrichtigung über die Annahme der Beiträge erfolgt Ende November. Reise- und Unterbringungskosten werden, unter Vorbehalt der Finanzierung, erstattet. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.

Quelle:

Downloads: