15.05.2021 - Call for Papers / Participation
Fachinformationsdienst Darstellende Kunst

CALL FOR PAPERS: Interdisziplinäre Doktorand*innen-Tagung "DIS(S)-CONNECT III - Wie Medien uns trennen und verbinden" | 07.-09.10.21| Freie Universität Berlin | Deadline: 30.06.2021

DIS(S)-CONNECT III – Wie Medien uns trennen und verbinden Interdisziplinäre Doktorand:innen-Tagung 7.–9. Oktober 2021, Freie Universität Berlin Mediale Gefüge sind ubiquitär. Wir sind auf vielzählige Weise in sie eingebettet. Als technologische Gebilde durchziehen sie unsere Ökologie und bilden eine Sphäre der eigenen Art. Mediale Gefüge verändern nicht nur unsere Kommunikations- und Lebensweisen, ebenso transformieren sie die Produktionsweise der globalen Akkumulation, worauf vor allem feministische Theoretiker:innen immer wieder hingewiesen haben (Haraway 1985, Federici 2015, Vergés 2019, Vergés 2020). Mediale Gefüge erzeugen und verstärken Phänomene (z.B. Immersion, Digitalisierung), verändern Weisen von Welt-Wahrnehmung, Praktiken der Versammlung sowie Arten der Herstellung von Öffentlichkeiten. Sie strukturieren unsere affektiven Bezugnahmen und bringen Materialität hervor, was nicht zuletzt auf die Konstruktion von Körpern, race und Geschlechterverhältnissen Einfluss nimmt. Mediale Gefüge sind nicht statisch, sondern eng verwoben mit gesellschaftlichen und technologischen Transformationen. So bringen bspw. Online-Umgebungen Bewegung in die Grenzen zwischen aktiv und passiv, privat und öffentlich, amateurhaft und professionell. Digitaler Kapitalismus (Staab 2020), Plattformkapitalismus (Srnicek 2018), Überwachungskapitalismus (Zuboff 2018) – all dies sind Begriffe, die verschiedentlich das Ineinanderwirken von Technologie, Ökonomie und Macht beschreiben. Hervorgehoben wird in den Theorien, wie sich in den letzten Jahren Machtbeziehungen zugunsten großer Techkonzerne sowie durch die Herausbildung neuer Märkte verschoben haben, wodurch neue Steuerungsweisen der Bevölkerung möglich werden. Hier zeigt sich, dass mediale Gefüge von Machtbeziehungen durchzogen sind. In ihnen können sich Herrschaftsverhältnisse verfestigen, aber auch Widerstände zeigen. In Kunst und Popkultur kann das Welt-Machen von medialen Gefügen erfahrbar gemacht und zur Verhandlung gestellt werden. Dafür kann auf Medien selbst zurückgegriffen, aber es können auch gerade im Verzicht auf Medien neue Ausdrucksweisen erzeugt werden. Als Gebilde, die affizieren, können die von Kunst und Popkultur hervorgebrachten Erfahrungen und Begegnungen neue Befindlichkeiten für das In-der-Welt-Sein bereitstellen, Begehren für neue Gemeinschaften anregen und Fluchtlinien vorzeichnen. Vor diesem Hintergrund möchten wir einen Workshop für Doktorand:innen anbieten, die sich im Themenfeld rund um mediale Gefüge verorten. Die Transformationen medialer Gefüge, die nicht zuletzt durch die Pandemie verstärkt wurden, fordern u.a. die Disziplinen der Sozial- und Kulturwissenschaften heraus. Ziel des Workshops soll sein, sich sowohl im Hinblick auf eigene Promotionsvorhaben und Forschungsfragen als auch auf Strategien im Umgang mit (post)pandemischen Forschungsbedingungen zu vernetzen. Dieser Workshop knüpft an zwei bereits in den beiden Vorjahren abgehaltene Workshops mit gleichem Titel an, die 2019 von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und 2020 von der Universität Wien veranstaltet wurden. Im nun dritten Jahr möchte wir als Promotionsstudierende und Mitarbeiter:innen der Freien Universität Berlin die Reihe „Dis(s)-Connect – Wie Medien uns trennen und verbinden“ fortführen und unsere an der Freien Universität eingebetteten Forschungen stärker hervortreten lassen. Daher interessieren uns insbesondere folgende, mit medialen Gefügen verwobene Topoi: Affekte: Affekte zirkulieren zwischen Körpern, führen zur Vermehrung oder Verminderung des Vermögens von Körpern, bringen Körper als dynamische Gebilde hervor. Körper stehen diesem performativen Modell folgend nicht nur in Wechselwirkung miteinander, ihre Materialisierung folgt geschichtlichen Ereignissen, von denen manche noch nicht an ihr Ende gekommen sind. Bspw. produziert die moderne-koloniale Matrix (Weheliye 2014) normative Ordnungen und Emotionen, die unsere Körper als geschlechtliche und rassifizierte hervorbringen. Mediale Gefüge stehen nicht außerhalb dieser Materialisierungs- und Affizierungsprozesse sowie deren Geschichtlichkeit. > Welche Rolle spielen spezifische mediale Gefüge in der Formation von Körpern und Körperverhältnissen – besonders in Hinblick auf die Verschränkung von sex/gender, race und class? Welche Formen von Affekten und Emotionen gehen damit einher, können benannt und beschrieben werden? Gibt es hierbei öffentliche Gefühle (public feelings), die besonders hervorzuheben sind? > Welche medialen Gefüge in Kunst und Aktivismus gehen kritisch auf die Geschichtlichkeit der modernen-kolonialen Matrix ein? Wie ist das Verhältnis von Negation und Produktion innerhalb gemeinschaftsbildender Praktiken? Welche Rolle spielen Affekte und Emotionen im Zusammenhang mit Begriffen wie Solidarität, Verantwortung, Anerkennung oder Zugeständnis? Welche künstlerischen Praktiken setzen sich mit diesen Begriffen auseinander? Publikum: Publikum ist zentraler Begriff in der Theaterwissenschaft und bildet nach wie vor die Schnittstelle zum „öffentlichen Charakter des Theaters“ (Roselt 2008). Publikum gilt dabei weder im Theater noch in anderen Medien als ‚passiv‘, sondern wird vor allem über seine Aktivitäten (Zuschauen, Agieren, Prosuming, Rezipieren) beschrieben/definiert. Mediale Gefüge sind dabei entscheidender Ausgangspunkt für die Konstituierung von Publika. Sie bestimmen nicht nur die Weisen der Wahrnehmung, sondern auch die Form und Art der Versammlung sowie die Handlungsrepertoires, die Publika zur Verfügung stehen. Auch für die eng verwobene Beziehung zwischen Publikum und Öffentlichkeiten sind sie maßgeblich entscheidend. Aus diesem Grunde fragen wir nach den Auswirkungen von gesellschaftlichen und technologischen Transformationen auf Publika. > Welche Veränderungen und neuen Praktiken von Publika lassen sich im digitalen Raum, bspw. in sozialen Netzwerken, beobachten? Welche neuen Öffentlichkeiten bringen diese neuen Formen von Publika hervor? > Wie wirkt sich die voranschreitende Kommodifizierung digitaler Räume auf die Konstituierung und Strukturierung von Publika und Öffentlichkeiten aus? Wo liegen emanzipatorische Potentiale in den aktuellen Transformationen? Produktionsweisen: Die Online-Umgebung hat eine kulturelle Revolution ausgelöst, die neue Formen der kreativen Online-Beteiligung von Seiten des Publikums unterstützt, vor allem, weil sie nicht durch institutionalisierte Torwächter vermittelt wird. Neue Arbeits- und Produktionsparadigmen und das anschließende Wachstum der Online-Produktion von Alternativen zu den etablierten kulturellen und künstlerischen Formen entstehen überall auf der Welt und erfordern ein neues Verständnis der Medialität und Affordance (vgl. Gibson 1979) der Online-Umgebung. Außerdem werden zunehmend neue Arten von performativen Kontexten durch die Verflechtung von Amateurismus mit hochprofessionellen, kommerzialisierten Mediensystemen produziert. > Wie funktionieren literarische/künstlerische Praktiken außerhalb der hegemonialen Produktionssysteme? Welche neuen Formen und Entwürfe können durch die Medialität der Online-Umgebung angeboten und erprobt werden? > Wie könnte der Zusammenbruch der Dualität von Produzent:in/Konsument:in und die daraus folgende Authentizität in der Online-Umgebung zur Bildung von Gemeinschaften der Alterität beitragen, die sich gegen etablierte Kriterien der Inklusion und Exklusion stellen? Wissen: In medialen Gefügen zirkuliert Wissen und es wird neues Wissen generiert. Dabei strukturieren die Formen der Gefüge immer schon, unter welchen Bedingungen Wissen in ihnen möglich ist. Im Anschluss an Donna Haraways Plädoyer, Wissen als ein situiertes und verkörpertes aufzufassen (vgl. Haraway 1988), möchten wir den Fokus auf Herstellung, Gestaltung und Verfasstheit der Orte des Wissens legen. Wir möchten danach fragen, welche Weisen, die Relation von Produzierenden, Rezipierenden und medialem Gefüge zu denken, möglich sind, und wie sich dies auf das entstehende und zirkulierende Wissen auswirkt. Dabei interessiert uns besonders, wie und von welchem Standpunkt aus das Eingebettet-Sein in mediale Gefüge und in die damit einhergehenden Machtbeziehungen kritisch reflektiert werden kann. > Welche Rolle spielen Nähe und Distanz, verbindende und trennende Momente in medialen Gefügen für Wissensvermittlung und -generierung? > Wie kann die Erfahrung von Welt-Machen in medialen Gefügen so gestaltet werden, dass sie in kritischer Einsicht mündet? Wie können diese Prozesse wissenschaftlich beschrieben werden? Wir wenden uns mit diesem Call explizit an Promovierende, die in ihren Dissertationsprojekten mit mindestens einem der vier Begriffe arbeiten und diesbezüglich interdisziplinär in Austausch treten möchten. Dies kann sowohl auf der Grundlage von Vorträgen (max. 15 Minuten) als auch eigener oder fremder Texte (max. 20 Seiten, auch Thesenpapiere oder Exposés) geschehen. Wir freuen uns auf Abstracts mit einer Länge von max. 300 Wörtern bis 30. Juni 2021, per Email an dissconnect@theater.fu-berlin.de. Für Nachfragen stehen wir stellvertretend für unsere Schwerpunkte gerne zur Verfügung: Karina Rocktäschel (Affekte, karina.rocktaeschel@fu-berlin.de), Kai Padberg (Publikum, kai.padberg@fu-berlin.de), Omid Mashhadi (Produktionsweisen, omid.mashhadi@fu-berlin.de), Thore Walch (Wissen, t.walch@fu-berlin.de). Geplant ist eine Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Freien Universität Berlin. Eine Übernahme der Reise- und Übernachtungskosten für die Referent:innen wird angestrebt. Sollte im Oktober 2021 die Veranstaltung aufgrund des Pandemiegeschehens nicht möglich sein, wird sie auf Beginn 2022 verschoben.


Source: