29.07.2019 - Call for Papers / Participation
Gesellschaft fuer Theaterwissenschaft

CALL FOR PAPERS: Hein Heckroth (1901-1970) – Bühnenbildner, Filmdesigner, Maler. Bausteine einer Werkbiografie

Der deutsch-britische Künstler Hein Heckroth (1901-1970) gehört nicht zu den kanonischen Gestalten der neueren Kunst-, Theater- und Filmgeschichte; dabei war er als Maler, als Bühnen- und Kostümbildner und als Produktionsdesigner von großer Prägekraft für zahlreiche künstlerische Projekte von internationaler Bedeutung. Heckroth schuf die Ausstattung für bahnbrechende Werke wie das von Kurt Jooss choreografierte Tanzdrama Der grüne Tisch (1932), das im Concours International de Chorégraphie in Paris den ersten Preis gewann – eine Produktion, die in der Folgezeit durch Gastspiele und Tourneen weltweite Berühmtheit erlangte. Der legendäre Ballettfilm The Red Shoes (1948), der dem Exilkünstler Hein Heckroth den Oscar für das beste Szenenbild einbrachte, erhielt durch Heckroths Entwürfe sein Gepräge, noch bevor der englische Regisseur Michael Powell überhaupt auf den Plan trat. Obwohl Heckroth seit 1956 als Ausstattungsleiter der Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main vorwiegend für das Schauspiel, die Oper und den Tanz tätig war, verschaffte ihm der Weltruf, den er als Filmdesigner hatte, bis in die letzten Lebensjahre lukrative Gastengagements. Bis zu seinem Tod 1970 arbeitete Heckroth als Szenenbildner für zahlreiche deutsche und ausländische Filmproduktionen, darunter Das Spukschloß im Spessart (Kurt Hoffmann, 1960) und Die Dreigroschenoper (Wolfgang Staudte, 1962). Im August 1965 ging Heckroth für sechs Monate nach Hollywood, um Alfred Hitchcocks Politthriller Torn Curtain (1966) auszustatten. Da Heckroth als Bühnengestalter und Szenenbildner über Jahrzehnte mit vielen Theater- und Filmgrößen – von Gründgens bis Hitchcock – aufs Engste zusammenarbeitete und als Maler bereits durch mehrere postume Ausstellungen geehrt wurde, nimmt es sich erstaunlich aus, dass die Landkarte seiner Werkbiografie noch voller weißer Flecken ist, die regelrecht darauf warten, endlich Farbe zu bekommen. Eine quellenverpflichtete Biografie Hein Heckroths existiert nicht. Die Lebensskizzen, die nach Heckroths Tod vor allem in Ausstellungskatalogen publiziert worden sind, stützen sich auf die Angaben der Witwe Ada Heckroth sowie auf persönliche Bekanntschaft, ja, Freundschaft mit dem Verstorbenen. Den jeweiligen Anlässen entsprechend sind diese Lebensbilder skizzenhaft und nur in Ausschnitten belegt. Auch die biografischen Angaben in jüngeren Publikationen beruhen so gut wie nie auf Quellenstudien, sondern sind rein kompilatorisch. In zeitlicher Nähe zu Heckroths 50. Todestag wird der Workshop dazu beitragen, diese Defizite zu mildern. Im Rahmen eines eintägigen Symposiums ist es nicht möglich, den „ganzen Heckroth“ zu vergegenwärtigen, wohl aber das Ganze im Fragment. Dieser Zugang scheint Heckroths Werk ohnehin angemessen: Seine internationale Biografie, seine Betätigung im Bereich „freier“ wie angewandter Kunst, traditioneller wie neuer Medien, materiell fixierter wie ephemerer Werke und seine chamäleonhafte Anverwandlung unterschiedlicher stilistischer und inhaltlicher Moderne ausformungen legen es nahe, ihn als Künstlerpersönlichkeit mit Widersprüchen und Brüchen zu thematisieren. Als mögliche Bausteine für eine historisch-kritische Werkbiografie Hein Heckroths ist eine Auseinandersetzung mit folgenden Themen und Fragestellungen besonders willkommen: 1.) Sichtung archivalischer Quellen zu Heckroths Lebensleistung im Rahmen einer kaum überschaubaren Zahl von Theater- und Filmproduktionen, die nicht nur an seinen zentralen Lebensstationen (Münster, Essen, London, Dartington, Frankfurt) projektiert bzw. realisiert wurden, sondern auch an vielen anderen Schauplätzen der europäischen Kulturgeografie: Düsseldorf, Köln, Göttingen, Berlin, Dresden, München, Wien, Cambridge, Glyndebourne, Mailand und so fort. 2.) Analysen ausgewählter Filme sowie exemplarische Untersuchungen, die Heckroths Bühnenräume, die in Entwürfen und Fotografien dokumentiert sind, im Kontext der zugehörigen Theateraufführungen in ihrer Wirkung und Bestimmung historisch bewerten. 3.) Untersuchungen der Bezüge zwischen Heckroths Malerei und seiner Arbeit für Theater und Film, die ausdrücklich den intermedialen Charakter seines Schaffens adressieren und historisch und/oder systematisch kontextualisieren. Heckroths künstlerische Arbeit und seine Biografie lassen sich nur im Zwischenreich verschiedener Fächer erschließen. Der Call richtet sich daher an Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ab der Promotionsphase, vor allem aus den Fächern Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Medienwissenschaft, die interdisziplinär interessiert sind und arbeiten. Tagungsbeiträge sollten eine Länge von 30 Minuten nicht überschreiten und können auf Deutsch oder Englisch gehalten werden. Einreichung von Vorschlägen für Tagungsbeiträge (nicht länger als 300 Wörter) in deutscher oder englischer Sprache sowie einen kurzen Lebenslauf bis zum 20.09.2019 an: Barbara.Stommel@kunstgeschichte.uni-giessen.de Eine Mitteilung über die Annahme der Beiträge erfolgt bis zum 15.10.2019. Reisekosten können vorbehaltlich einer noch ausstehenden Förderzusage ganz oder in Teilen erstattet werden. Es wird keine Konferenzgebühr erhoben. Eine Publikation ist geplant. Konzeption: Prof. Dr. Sigrid Ruby (Institut für Kunstgeschichte der Justus-Liebig-Universität Gießen); Dr. Marcus Kiefer (Hein-Heckroth-Gesellschaft Gießen e. V.) Informationen und Kontakt: Dr. Marcus Kiefer, Hein-Heckroth-Gesellschaft Gießen e. V. hein-heckroth-ges@gmx.de www.hein-heckroth-ges.de


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